Postwachstum leben

Es gibt kein unbegrenztes Wachstum auf einem endlichen Planeten. Unser aktuelles Wirtschaftssystem jedoch orientiert sich an möglichst hohen Wachstumsraten – was jedoch allzu häufig auf Kosten von Umwelt und Menschen geht.

Postwachstum oder auch Degrowth ist ein Konzept, hinter dem inzwischen eine ganze Bewegung aus engagierten Wissenschaftler*innen und zivilgesellschaftlichen steht. Wir sehen uns als Teil dieser Bewegung und gehen davon aus, dass vor allem bei uns, in industrialisierten Ländern des Globalen Nordens, der Konsum zurückgefahren werden muss. Gleichzeitig braucht es eine Schrumpfung gewisser Wirtschaftssektoren: der fossilen Industrie, also den Wirtschaftszweigen, die Erdöl, Kohle und Erdgas schöpfen oder in Hohen Mengen benötigen.

Die Klimakrise und den rasanten Biodiversitätsverlust, die Zerstörung unserer fruchtbaren Böden, des Trinkwassers und der Meeresökosysteme, und ebenso die ungleiche Verteilung von Geld, Ressourcen und Macht, die auf der einen Seite zu extremer Armut und auf der anderen Seite zu übermäßigem Reichtum führen – all das macht einen dringlichen sozial-ökologischen Umbau unserer Wirtschaft dringend notwendig.

Wir beteiligen uns an den Diskussionen zum Thema, versuchen jedoch auch, Postwachstum praktisch zu leben und mit unserem Seminarangebot dazu beizutragen, dass sichtbar wird:

Beim Postwachstum geht es nicht um Verzicht sondern um den Genuß des Lebens – eines Lebens, das frei ist von Abhängigkeiten, in dem zum Beispiel Zeitwohlstand, der Genuß regionalen guten Essens, Gemeinschaft und Solidarität neue Wertschätzung erfahren.

 

Mehr zum Thema Postwachstum:

Broschüre “Kein Wachstum ist auch (k)eine Lösung

Website und Buch “Degrowth in Bewegung

Buch “Auf Kosten anderer. Wie die imperiale Lebensweise ein gutes Leben für alle verhindert

 

In Waltershausen Postwachstum leben

Erntewoche

Einmal jährlich im September/ Oktober organisiert Kultinativ eine gemeinschaftliche Ernte-, Saftpress-, und Einmachwoche und lädt dazu ein, mitzuarbeiten, Postwachstum zu diskutieren und praktisch zu erleben.

Holzwoche

Einmal jährlich im Januar/Februar organisiert Kultinativ eine gemeinschaftliche Brennholz-Woche. Baumstämme aus dem Thüringer Wald werden gesägt und gespalten, gehackt und gestapelt für die Holzheizung der KoWa und die Räumlichkeiten des Kultinativ. Dazwischen gibt es gutes Essen, Workshops und gemütliches Beisammensein.

Umsonst-Kleiderladen

Neue Kleidung wird meist unter katastrophalen Arbeitsbedingungen hergestellt und mehrmals um die Welt geschifft, bis sie im Discount-Geschäft landen. Der von uns aufgebaute Umsonst-Kleiderladen ermöglicht den Zugang zu gebrauchter Kleidung, die noch gut in Schuss ist.

Möbellager

Mal eben ein neues Sofa von IKEA? Oder gibt es eine hübsche gebrauchte Alternative? Das Möbellager wurde hauptsächlich für Geflüchtete aufgebaut, kann jedoch von allen gerne genutzt werden.

Komposttoiletten

Weshalb Trinkwasser verbrauchen oder für große Events jede Menge Chemie verwenden, wenn eigentlich Kot richtig kompostiert zu wunderbarer Erde werden kann? Durch die Trennung von Flüssigem und Festem und Zugabe von Sägespänen sind unsere Kompostklos eine saubere und gut riechende Alternative zur gängigen Variante.

Car-Sharing

“Nutzen statt besitzen” ist eine der Losungen, wenn es um ein zukunftsfähiges Wirtschafts- und Mobilitätssystem geht. Am Land ist es wegen oft fehlenden öffentlichen Verkehrsmitteln meist schwerer als in Städten, von A nach B zu kommen. Wenn Fahrrad, Zug oder Bus keine Option ist (beispielsweise wegen eines Transports oder später Uhrzeiten), dann greifen die Mitglieder des Vereins sowie Bewohner*innen der KoWa auf geteilte Autos zu. Ein Kalender ermöglicht die Koordination.

Gemüsegarten zur Selbstversorgung

Ein Freiwilligen-Team baut für ca. 20 Personen frisches Bio-Gemüse an, das teilweise auch für den Winter eingelagert wird.

Schau-Kräutergarten

In Kräutern steckt einiges an Heilkraft – doch das Wissen scheint mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten. Derzeit wird ein großer Schau-Kräutergarten gebaut, der zukünftig auch Kräuterkurse ermöglichen soll.

Wir planen alsbald noch weitere Möglichkeiten zu schaffen, um Postwachstum zu leben, so z. B. eine Lebensmittelkooperative, eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt und ein Reparier-Café.